Irgendwie ist diesmal alles ganz anders als
damals vor den Olympischen Spielen von Sydney... Schon
frühzeitig wurden sogenannte Elitekader ausgewählt,
diese brauchten sich selbstverständlich nicht wie die
normalen Teilnehmer über harte Ausscheidungskämpfe
für die Deutschen Meisterschaften in Wismar zu qualifizieren
sondern wurden direkt gesetzt...
Zum Leidwesen ihrer Vereine durften Sie vormals
und dürfen Sie auch weiterhin nicht in der Oberliga und/oder
Bundesliga eingesetzt werden...
Stattdessen nun Auftritte in den Profishows, d.h.
bislang ausschließlich auch nur einseitig bei denen
der Universum GmbH . Sozusagen als Kompott jetzt noch ein
Kooperationsvertrag zwischen dem DBV und der Universum GmbH
Führung, sicher unter dem Motto gemeinsam wird alles
gut, gemeinsam sind wir stark...Mal abwarten !
Geld soll fließen um u. a. die Trainingbedingungen
in Richtung der Saisonhöhepunkte optimieren zu können...von
Vorverträgen ist die Rede...usw
Demnach hätten diese Elitekader doch eigentlich
gerade hier zur DM in Wismar, bei der international gemessen
eher schwacher Konkurenz, alle haushoch überlegen und
überzeugend gewinnen müssen oder ?
Das taten Sie aber ganz und gar nicht , das mal
vorab !
Da kommt z.B. ein Hotelfachmann aus Bayern namens
Alfonso Fusco daher, mit 3 Mal wöchentlich Training und
harten Ausscheidungsfights im Gepäck und haut erst mal
gleich den hocheingeschätzten Hessen Ali Ahraoui im Viertelfinale
einfach KO und jagt dann auch noch im Halbfinale den Eliteboxer
Harun Sipahi ganze 4 mal 2 Minuten ohne jeden Respekt durch
den Ring. Der geschonte Sipahi hatte den ganzen Kampf nichts
besseres zu tun als einfach nur wegzurennen vor diesem schlagharten
Bayern.
Zitat Bayern Chefcoach Hopf Manfred Hopf nach
diesem Fight: So wie Sipahi heute, darf sich ein amtierender
deutscher Meister einfach nicht darstellen...Ein gellendes
Pfeiffkonzert, nach der üblen Punktwertung und Jubel
ohne Ende für den verhinderten Deutschen Meister Alfonso
Fusco waren die ehrliche Abrechnung des fairen Publikums in
Wismar. Der coole Alfonso müßte eigentlich noch
eine Chance bekommen, d. h. wenn man in Athen was gewinnen
will ,das nur mal am Rande ... Mit dem Sipahi dieser DM, auch
bei Losglück- No Way !
Im 64 kg Finale standen sich schließlich
Sipahi und Lokalhero Martin Dressen gegenüber.Nach ausgeglichenem
Beginn wurde der Fight mit zunehmender Kampfdauer erst unsauber
dann unattraktiv !
Berlins Chefcoach Adolf Angrick hat im Hinblick
auf die kommende Bundesligasaison im übrigen ein Auge
auf das Bayern Talent geworfen ... Die Verhandlungen laufen...Viel
Glück, wäre für uns jedenfalls ein Grund mal
wieder zu einem Bundesligafightabend zu gehen.
Der erst 20jährige Alfonso Fusco ist für
uns die Entdeckung dieser Deutschen Meisterschaften Er braucht
aber schnell, hochwertigen boxtechnischen Beistand. Dringend
müsste so z.B. das Körpergewicht von seinem hinteren
Fuß nach vorne gebracht werden ...
Mehr Freude dürfte den Bundestrainern Vizeweltmeister
Vitaly Taibert gemacht haben. Eigentlich ohne jegliche Gegenwehr
setzte er sich Start Ziel in dieser Meisterschaft
durch.
Aber seine Trainer haben auch sichtbar an Ihm
gearbeitet. Sehenswert seine variable Führhand besonders
im Viertelfinalfight. Zum Körper, auch als Doublette,
zum Kopf als Aufwärts ...alles war da, auch der reingesprungene
rechte Kopfhacken hatte Klasse !
Im Finale demonstrierte Taibert aber auch sein
Gegenüber Marcus Abrahmowski Ihre Vorliebe für die
Halbdistanz . Taibert mit sehenswertem Bewegungsgefühl
und der größeren Effizienz .
Die 60 kg gehörten fast ebenso sicher dem
technisch begrenzten aber eisenharten Enrico Wagner aus Cottbus.
Ein Achtungszeichen setzte für uns der Berliner Ilja
Sperling mit sehenswerten Kombinationen. Die halboffene Boxstellung
wird Ihn zudem härter schlagen lassen , diesmal hatte
er die Hände noch zu sehr an den Kopf gepresst um einen
vernünftigen Schlagwinkel anbieten zu können...
Bleibt aber für uns ein ganz heißes Eisen für
2005...
Der physisch so starke Victor Weißenburger
gibt uns einfach nur noch Rätzel auf... Den hätte
wir gerne mal eine Woche im Gym !
Im Finale siegte Wagner in seiner kampfbetonten
Art gegen einen die Pace machenden Jürgen Demin.
In Abwesenheit von Klassefighter und Topfavorit
Sebastian Zbik holte sich der Thüringer Artem Merjasow
sicher den 69 kg Gürtel .Trotz variabler Aktionen gelang
Finalgegner Buzahla keine Überraschung gegen den alten
und neuen Meister. Eine zu offene Deckung insbesondere im
letzten Abschnitt und die daraus resultierenden Treffer machten
alles klar. Die größten Schwierigkeiten bereitete
Merjasow wohl gleich die erste Runde des Turniers gegen einen
perfekt eingestellten Nick Klappert. Mit sehenswerten Pendelbewegungen
und beidhändigen Aufwärtshacken brachte der Fürstenwalder
Underdog den Favoriten schon aus der Rückwärtsbewegung
zum schwimmen. Manche sahen sogar Wirkung !?
Klappert stieg nach seiner guten ersten Runde
auf Grund von Atemproblemen aus. Ich habe nur schubweise
Luft bekommen...ich hätte sehr gerne weitergemacht
sagte er nach dem Kampf. In der DM Qualifikation hatte er
sich in Sachsen eine Woche vor den Meisterschaften eine schwere
Rippenprellung eingefangen die medizinisch nicht mehr rechtzeitig
beseitigt werden konnte.
Sein kurzer Auftritt reichte jedoch aus, um Sauerland
Sportkoordinator Hagen Döring auf sich aufmerksam werden
zu lassen. In Rücksprache mit Uli Wegner wurde der Junge
nebst Trainer/Vater zu einem längeren Training eingeladen.
Döring bewies damit einmal mehr das er einen Blick für
gute Fighter auch aus schlechten Situationen heraus besitzt.
Nick Klappert bleibt jedoch bis 2005 Amateur und
boxt die Liga 2003/04 für Motor Babelsberg so sein Management.

Der Nichtstart von Sebastian Zbik machte eigentlich
den gesetzten Eliteboxer Norman Schuster zum besagten Gegner
von Merjasow um die DM Krone.
Leider machte Norman schon beim Wiegen keine gute
Figur...ein Leberhacken KO von Femi Buzhala führte zu
einer Niederlage schon in Runde 1 in seinem ersten Vorrundenfight.
Schuster ist eigentlich ein guter aber unbeständiger
Kämpfer, hat aber unserer Meinung nach in 69 kg nichts
zu suchen ...64 kg sonst No Way !
Ein gesunder Sebastian Zbik steht hier nach wie
vor jedoch deutlich über dem Feld !
Das Auftreten der Köber Brüder erinnerte
uns irgendwie an die Anfangszeit der Klitschkos...
Schwergewichtler Stefan Köber brachte im
Finale ganz konzentriert einen Arbeitssieg in einem gesamt
gesehen ausgeglichenen Kampf gegen den respektlosen Poverno
ohne jegliche Höhepunkte nach Hause. Bruder Sebastian
zeigte im Superschwergewichtsfinale klassisches Boxen und
die bessere Linie gegen einen zu sehr auf vorzeitigen Sieg
orientierten Vitaly Boot.
Das Finale in 81 kg zwischen dem Berliner Matthias
Kempe und dem Hallenser Tino Groß
war von gegenseitigem Übereifer geprägt.
Mit Tino Groß fand man auch einen verdienten Sieger.
Das Resultat von 28:9 war von der Höhe jedoch vollkommen
unverhältnismäßig.
48 kg Finale ...man möge den guten Willen
beider Boxer achten...in diesem Limit ist es in unseren Breiten
nicht einfach Wettkampferfahrungen zu machen . Heimsieg für
Hauser durch KO in Runde 3 über seiner Dauergegner Tarek
Gläser.
Zwei sehr ähnliche Kämpfer boxten im
54 kg Finale um den Deutschen Meistertitel...Beide setzten
auf überfallartige Angriffe. Die letztlich größere
Übersicht von Trainersohn Wilhelm Gratschow führte
zu seinem verdienten 28:10 Punktsieg über Anatoli Schmidt.
Die 51 kg waren wohl eine Augenweide für
Freunde des etwas anderen Boxens...NAZ lässt grüßen.
In dem temporeichen Gefecht war Eliteboxer Rahimow der beweglichere
und gefährlichere Boxer und von Albert Dorn einfach nicht
zu stellen. Das 28:9 geht auch in dieser Höhe in Ordnung.
Deutschlands Profiboxställe mit Interesse
am Amateurboxen waren diesmal fast vollzählig vertreten.
Promoter Ulf Steinfurt gab sich persönlich die Ehre ,während
Promoter Kohl seinen Geschäftführer und Promoter
Sauerland seinen Sportkoordinator nach Wismar entsandte.
Sehr auf das Wohl aller Beteiligter war Veranstalterehepaar
Schmidt bedacht.
Nichts wurde dem Zufall überlassen...Alles
war gut organisiert...manchmal wünschten wir uns solch
rührige Profiveranstalter wie die Schmidts...
Auf unsere Frage warum eigentlich sowohl in Rostock
als auch in Wismar veranstaltet wurde...gab der Transportunternehmer
folgende Auskunft... Ich habe dem DBV die Veranstaltung
abgekauft...und ich habe auch ein wirtschaftliches Interesse...in
Rostock erwarten wir einfach mehr Einnahmen.
Tatsächlich war dann das erste Halbfinale
in Rostock weit besser besucht als die gesamte Vorrunde bis
dato in Wismar...
Auf unsere Frage; Setzen Sie hier Geld zu Herr
Schmidt ? bekamen wir folgende Antwort :Ich wäre
ein schlechter Kaufmann wenn ich hier zusetzen würde...Nein
,nein eine Bustour für unsere Jungs kommt immer dabei
raus...Frau Schmidt fügt hinzu...Wir stehen hier
für unsere Jungs ein ,ob in der Liga oder bei der DM...uns
sonstwo...gemeint sind übrigens besonders Martin
Dressen und Sebastian Zbik aber auch Sandro Schaer und Fabian
Nitsche...und nicht zuletzt auch Jürgen Brähmer
!
Überhaupt hat sich Wismar als eine
sehr schöne Stadt gezeigt... eine sehenswerte Altstadt,
gute Fischrestaurants am Hafen aber auch u.a. ein top moderne
Badelandschaft genau gegenüber der Boxhalle waren bei
uns die Renner...
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